mein erstes Gemüsebeet von meine-ernte

Samstag, 13. Oktober 2012

stadtacker.net - Wissenssammlung und Plattform für Urbane Landwirtschaft


Vor drei Tagen war es soweit: eine großartige Idee war reif für den ersten online Auftritt.

Gemeinsam mit GärtnerInnen und ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis wurde in den letzten elf Monaten eine Online-Wissenssammlung und interaktive Plattform für alle Themen rund um die urbane Landwirtschaft und Gärten in der Stadt entwickelt.


Schon heute befinden sich auf stadtacker.net in einer übersichtlichen Struktur interessante Informationen zu 270 Gärten und Feldern in Städten aus ganz Deutschland. So gibt es z.B. eine Karte in der Standorte von urban farming Projekten eingezeichnet sind, es gibt Listen zu Initiativen, komunalen Konzepten, Ansprechpersonen, Fachleuten, Einrichtungen, Tipps, ebenso zu Forschungsprojekten, Fachleuten, Institutionen und Qualifikationen, weiterhin zu Fachliteratur.  


QR Code Stadtacker.net


Stadtacker.net lebt von der Beteiligung aller Aktiven und Unterstützer der urbanen Landwirtschaft. Alle haben die Möglichkeit, sich selbst zu beteiligen, eigene Gartenprofile einzustellen, Veranstaltungen und Workshops anzukündigen, die in einem Kalender angezeigt werden, und Wissen rund um die Landwirtschaft in der Stadt mit anderen zu teilen. Ein schwarzes Brett dient für Angebote und Suchanfragen.





http://stadtacker-wissen.ext.zalf.de/SitePages/Homepage.aspx

Dienstag, 9. Oktober 2012

Vertical Farming im britischen Zoo in Paignton

Jedes Jahr das gleiche Problem im Zoo. Viele hungrige Tiere, die mit frischer und gesunder Nahrung versorgt werden wollen. Besonders im Winter ist dies sehr kostenintensiv.
Im britischem Zoo in Paignton fasste man den Entschluss, das Futter dort anzubauen, wo es gebraucht wird, direkt auf dem Zoogelände. Der Platz dort war knapp, also entschied man sich für ein Treibhaus, in dem die Futterpflanzen vertikal angebaut werden. 


Es ist das erste in Europa und seit drei Jahren in Betrieb. Im Sommer wird bis zu 100kg Salat im Monat geerntet. Die Salatmischung kommt noch am selben Tag zu den Tieren, so  bleiben alle Vitamine erhalten.
Ständig wird etwas verbessert.
Wichtig für den Betreiber sind Umweltaspekte: das Treibhaus nutzt Erdwärme und Sonnenenergie. Der Anbau des Futters im vertikalen Gewächshaus verursacht nur 1/10 des CO² Ausstoßes eines herkömmlichen Gewächshauses.   Bewässert werden die Pflanzen mit Regenwasser, das unterirdisch gesammelt wird.


Montag, 8. Oktober 2012

Filmtipp: MORE THAN HONEY

MORE THAN HONEY
Kinostart: 08.11.2012
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Der Physiker Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus.“ 
Im Dokumentarfilm MORE THAN HONEY geht der Schweizer Regisseur und Enkel einer Imkerfamilie Markus Imhoof  dem rätselhaften Bienensterben auf den Grund. Mit ungeahnter Präzision macht er das Leben der Biene sichtbar und porträtiert diejenigen, die am meisten davon profitieren: die Menschen. Während ein Schweizer Bergimker das Bienensterben mit Traditionstreue abzuwehren versucht, ist die Apokalypse in China schon längst Realität. Imhoof trifft hier auf das Geschäft mit den Pollen. Er spricht mit einem quer durch die USA ziehenden Bienenchauffeur und mit Königinnenzüchtern, die ihre lebendige Ware per Post in die ganze Welt verschicken. Imhoofs tief beeindruckende Bestandsaufnahme des Bienenlebens verdichtet sich zu einer traurigen Diagnose unserer Zeit, in der Naturprodukte massenhaft verfügbar sein müssen. Die Biene steht im Zentrum dieses Widerspruchs, denn keinem anderen Tier wird heute so rigoros beides abverlangt: Quantität und Qualität. Markus Imhoof spürt den Bedeutungen nach, die die Biene seit ewigen Zeiten für den Menschen verkörpert und wagt einen schrecklich schönen Blick in den Abgrund, der eine Welt ohne Bienen zweifellos wäre.

Weitere Clips zu "More than Honey":


Die Geburt einer Königin


Im Bienenstock


Der Jungfrauenflug der Königin

Dokumentarfilm:
Regie: Markus Imhoof - Drehbuch: Markus Imhoof
Musik: Peter Scherer
Filmproduktion: Deutschland / Schweiz / Österreich, 2012
Kinostart: 08. November 2012
More Than Honey: http://www.morethanhoney.senator.de/

ARD Mediathek: Urban Gardening in Tempelhof

hier geht es zum Fernsehbeitrag


Urban Gardening auf dem Tempelhofer Feld - die Gartenfläche hat rund um den Globus in kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und kaum einer kann sich der Faszination entziehen, die beim Betrachten der kreativ gestalteten Hochbeete entsteht.

So lief auch mal wieder in der ARD ein Fernsehbeitrag über die Tempelhofer Gärtner, zu sehen jetzt in der ARD Mediathek






weitere Informationen 

Montag, 3. September 2012

Fernsehtipp: Wie billig kann BIO sein?

Wie billig kann Bio sein? - Öko-Check im Supermarkt

Bio boomt - 6,6 Mrd. Euro gaben die Deutschen 2011 für Bio-Lebensmittel aus - und die Umsätze steigen weiter. Denn auch Supermärkte und Discounter haben das Geschäft längst für sich entdeckt und bieten inzwischen viele billige Bio-Produkte an. Billigangebote, die ihren Preis haben - das belegen Recherchen des ARD-Magazins "Fakt".

Beispiel Bio-Eier: Bei einem Blick hinter die Kulissen entdecken die Reporter Produktionsbedingungen wie im konventionellen Bereich. Massentierhaltung nur eben mit Öko-Siegel. Bedingungen, die der Verbraucher so nicht erwartet und die seinem Bio-Verständnis widersprechen. "Fakt"-Reporter recherchieren die Hintergründe der billigen Bio-Lebensmittel. Wie werden Bio-Fleisch, -Obst und -Gemüse produziert? Wir stoßen auf nicht artgerechte Tierhaltung, die Vernichtung von deutschen Bio-Lebensmitteln aufgrund von Billigimporten und qualitativ schlechte Nahrungsmittel. Und alles firmiert unter dem Label "Bio". (ARD, Info)

Sendetermin: Das Erste
Heute | 21:45 - 22:15 (30 Min.)

Nachtrag:
Die Dokumentation gibt es jetzt auch bei youtube:

Freitag, 31. August 2012

HUNGRY CITY. Landwirtschaft und Essen in der zeitgenössischen Kunst



HUNGRY CITY.
Landwirtschaft und Essen in der zeitgenössischen Kunst

Ausstellung: 01.09 - 28.10.2012, Kunstraum Kreuzberg / Bethanien

Öffnungszeiten: täglich 12 bis 19 Uhr

Eintritt frei




Die internationale Gruppenausstellung „Hungry City“ versammelt 19 künstlerische Positionen, die Landwirtschaft thematisieren und auf unterschiedliche Aspekte von Nahrungsmittelproduktion und -versorgung eingehen. Aktuelle Werke werden ergänzt durch Arbeiten namhafter KünstlerInnen der 1960er bis 1980er Jahre, die darlegen, dass das Thema in der Kunst bereits in vergangenen Jahrzehnten virulent war. Neue Kunstgattungen wie die Rural Art und Projekte urbaner Landwirtschaft verdeutlichen die Brisanz der Thematik und verweisen auf Veränderungen in stereotypen Zuschreibungen von städtischem und ländlichem Raum.
Mit Installationen, Videos, Zeichnungen und Fotografien bietet die Ausstellung, erstmals in Deutschland,
einen Überblick über landwirtschaftliche Aspekte in der zeitgenössischen Kunst von 1960 bis heute. 

Das Begleitprogramm zur Ausstellung widmet sich besonders der Verbindung zwischen Stadt, Land und
Essen. Von einem städtischen Kulturort aus wird mit Vorträgen, Spaziergängen, Exkursionen, Gesprächen
und Angeboten der kulinarischen und kulturellen Bildung der Blick und Weg ins nahe und ferne Umland
gefunden werden.

Kunstraum Kreuzberg / Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Mittwoch, 29. August 2012

Aktuelles zum Thema Bienensterben

Die Honigbiene - sie ist seit Jahren in Europa bedroht. Immer wieder berichten Imker vom dramatischen Bienensterben. Eine neue Studie aus Frankreich belegt nun, Pestizide sollen schuld daran sein. Französische Behörden reagieren, deutsche hingegen sehen keinen Handlungsbedarf.

Die Imker beklagen, bei Kühen würde man ein Sterben in dieser Größenordnung sehen, doch bei Bienen erfolge dieser Prozess schleichend und weniger sichtbar. Dabei sei die Biene das drittwichtigste Nutztier. Das Sterben werde immer dramatischer, der Handlungsbedarf größer, aber die Studien der Unternehmen, die Pestizide herstellen, würden die von Pestiziden ausgehende Gefahr, verharmlosen. (zdf, heute.de, 14.08.2012)

Filmtipp: Das Geheimnis des Bienensterbens

Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt heute unmittelbar von der Biene ab, dem wichtigsten Bestäuber von Pflanzen. Doch seit mehreren Jahren sterben weltweit Milliarden von Bienen ohne sichtbaren Grund. Bislang konnte kein Krankheitserreger als Ursache des Massensterbens ausfindig gemacht werden. Wissenschaftler zahlreicher Fachrichtungen suchen nach einer Erklärung. Der Dokumentarfilm fragt nach, was die Forscher in den vergangenen vier Jahren in Erfahrung gebracht haben und ob sie inzwischen Lösungen anbieten können. (ARTE)


Das Geheimnis des Bienensterbens
ARTE, Samstag 1. September 2012 um 15.30 Uhr
Wiederholung am Donnerstag 13. September um 14.55 Uhr
(Frankreich, Kanada, 2010, 89mn)

Wer die Fernsehtermine verpasst, kann sich die Dokumentation auch auf youtube ansehen.

Das Geheimnis des Bienensterbens
Dokumentarfilm
Frankreich/Kanada 2010, ARTE F, Synchronfassung, Erstausstrahlung
Regie: Mark Daniels


Dienstag, 28. August 2012

Prinzessinnengarten - Petition für eine sichere Zukunft



der Prinzessinengarten ist das Vorzeige Urban Farming-Projekt in Deutschland. Aus der ganzen Welt kommen Interessenten, um sich hier zu informieren,
der Prinzessinnengarten leistet unglaublich wertvolle Arbeit, soziale, ökologische, pädagogische, kreative, nachhaltige, künstlerische, und, und, und ...
der Prinzessinnengarten ist ein Ort, der glücklich macht.





Ausgezeichnet wurde dieses Projekt u.a. mit dem Utopia-Award 2010,
2011 und 2012 wurde der Prinzessinnengarten vom Rat für Nachhaltige Entwicklung als WERKSTATT N Projekt ausgezeichnet und ist
2012 für den Freiherr-von-Stein-Preis nominiert.

Das Projekt hat inzwischen mehrere Arbeitsplätze geschaffen und trägt sich selbst.



Um dem Prinzessinnengarten eine tragfähige Zukunft zu sichern, ist ein langfristiger Mietvertrag wichtig. Allerdings zeigen auch Investoren Interesse an dem Grundstück, das vom Liegenschaftsfond verwaltet wird. Es scheinen auch schon Gespräche mit diesen geführt worden sein.
Bis zum Oktober 2013 wurde der Mitvertrag mit dem Prinzessinnengarten verlängert, danach droht das endgültige aus.



Um langfristig die weitere Arbeit des Prinzessinnengartens zu retten, kann man nun eine Online-Petition unterschreiben.

Dienstag, 21. August 2012

Urban Gardening auf dem Hausboot - Neulich auf der Torgau

   Kartoffeln, Sellerie und Birnen auf dem Hausboot?

Klar, Urban Gardening funktioniert auch auf dem Schiff. Eindrucksvoll ist dies in Berlin auf dem 30m langen und 5m breiten Wohnschiff Torgau im Treptower Hafen zu sehen.

Auf dem Schiffsdach eines ehemaligen Bauhüttenschiffes wachsen in einer kunterbunten Mischung verschiedene Minzepflanzen, Tomaten, Paprika, Zucchini, Kartoffeln und jede Menge Kräuter in einer Pflanzengemeinschaft mit Kornblumen und anderen Wald- und Wiesenblumen. Beeren und Obst gedeihen prächtig.
Sogar eine Wiese wurde ausgesät ...                                            ... und auch einen Teich gibt es.

Gepflanzt wird in zusammengezimmerten Holzkisten, Eimern, Töpfen und Wannen und anderen geeigneten Behältnissen. Die Garten- und Küchenabfälle werden kompostiert und der Kompost der alten Erde wieder untergemischt.
Viele Pflanzen säen sich jedes Jahr von neuem aus und wachsen an anderer Stelle weiter, so z.B. die Minzepflanzen, die sich Jahr für Jahr neue Bereiche erobern oder die Tomaten, die sich selber ausgesät haben.
Zurückhaltendes Eingreifen in die Pflanzenwelt einerseits und bewusste Pflanzungen und Gestaltungselemente andererseits haben auf dem Schiffsdach der Torgau einen wunderschönen Garten entstehen lassen.


Sonntag, 19. August 2012

Urban Farming auf dem Tempelhofer Feld - Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun

Christoph Schwantuschke hat ein schönes Video von den Gärten auf dem Tempelhofer Feld gemacht. Er thematisiert Urban Gardening und Gentrifizierung.

Urban Farming auf dem Tempelhofer Feld - What's going on?


Auf dem Tempelhofer Feld gärtnern auf dem Pionierfeld entlang der Oderstr. in Neukölln Hobbygärtner aus der näheren und weiteren Nachbarschaft.
Beteiligt sind das Allmende-Kontor, der Stadtteilgarten Schillerkiez und der Rübezahl Gemeinschaftsgarten.

Im letzten Jahr ging es los und in kurzer Zeit sprach sich dieses urban farming Projekt nicht nur in Berlin herum, sondern findet weltweit Beachtung. Jüngst ließ es sich auch Frau Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, nicht nehmen, sich medienwirksam dort zu präsentieren und ihr Interesse an regional, ökologisch erzeugtem Stadtgemüse zu bekunden.

Die Gärten sind für den Neuköllner Kiez eine große Bereicherung und finden großen Zuspruch. Allein beim Allmende-Kontor stehen über 250 Interessierte auf der Warteliste. Was Neukölln an dieser Stelle braucht, ist selbst für den Einäugigen zu erkennen. Dem Neuköllner Kiez wird nicht mit Luxuswohnungen geholfen, die an dieser Stelle entstehen sollen. Die Möglichkeit sich an einem der Gärten zu beteiligen, bringt den Anwohnern mehr Lebensqualität und Glück (im Königreich Bhutan steht das Recht auf Glück übrigens in der Verfassung).

Dieses Jahr, im Jahr zwei, sind wieder wunderschöne Beete entstanden. Wegen der Bodenbelastung  wird in selbst gezimmerten Hochbeeten und allen möglichen anderen Behältnissen gepflanzt.

Das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein, die Biene, hat im Garten ein zu Hause bekommen.
Für die Wildbienen sind einige Insektenhotels entstanden. Am Wochenendende finden oft Führungen statt, Termine gibt es hier.
Im Juli machte das mobile Bienenmuseum Station im Garten. Blickfang war das Pollinium, ein kugelartiger Bau, einem großen “Pollen” (Pollinium) nachempfunden und Symbol für die große Bestäubungsleistung der Honigbienen im Zusammenhang mit der Ernährung des Menschen.


Der Gemeinschaftsplatz des Allmende-Kontor nimmt Formen an und wird demnächst fertig gestellt.







Im Gemeinschaftsgarten Rübezahl entsteht eine Jurte nach mongolischem Vorbild.




Dein Erdanteil ist ein künstlerisches Urban Gardening Projekt im Allmende-Kontor, dass erlebbar macht, wie viel Landfläche jedem Bewohner der Erde zur Verfügung steht, der "Deinen Erdanteil" an der globalen Erdoberfläche von 21 275m² sichtbar, erfahrbar, nutzbar und „essbar“ macht.
Der Anteil davon an Kulturland (1.975m²) wird proportional bepflanzt mit Gemüse, Getreide, Gewürzen, Kräuter, Zucker – und Ölpflanzen entlang der Arten, die für Ernährung, Futtermittel, Kleidung, Energie etc. weltweit benötigt werden.





Allmende-Kontor
Stadtteilgarten Schillerkiez
Rübezahl Gemeinschaftsgarten
Bienen auf dem Tempelhofer Feld

Dienstag, 24. Juli 2012

Terra Preta - Herstellung nach Dr. Jürgen Reckin

Terra Preta-Holger Casselmann
"Terra Preta do Indio" (Portugiesisch für »indianische Schwarzerde«) ist ein wertvoller Dauerhumus, der tote Böden wiederbeleben kann, CO² bindet und ressourcenschonend ist. Schon vor über 2000 Jahren nutzten die alten Indianervölker Amazoniens verschiedene Hausabfälle und mischten sie unter die unfruchtbare Erde. Auf diese Weise entstand eine fast pechschwarze und fruchtbare Humuserde, die die Einheimischen bis heute “Terra Preta” nennen.
Die genaue Zusammensetzung dieser fruchtbaren Erde kann heute nur zum Teil rekonstruiert werden und so gibt es verschiedene Möglichkeiten der Herstellung. 
Dr. Jürgen Reckin, ein Pionier der Terra Preta Forschung, stellt in seinem Garten in der Schorfheide schon lange selber Terra Preta her. Mit dem richtigen know how ist dies für jeden möglich.
Eine bebilderte, sehr empfehlenswerte Dokumentation und Anleitung ist auf http://wendepunktzukunft.org nachzulesen:
Terra Preta – Entstehungssprozess und ein mögliches HerstellungsverfahrenErkenntnisse von unserer Exkursion zu Dr. Jürgen Reckin am 28.4.2012

Mittwoch, 18. Juli 2012

meine ernte, Juli 2012, Berlin - Rudow

urban farming in Berlin-Rudow auf einem Mietbeet von meine-ernte.de

Von Kartoffelkäfern, Läusen, einer wunderschönen Raupe und Mehltau

Es regnet, es regnet, es regnet, es regnet, es regnet..... Stopp..... der Regen hat aufgehört und vereinzelte Sonnenstrahlen suchen ihren Weg duch die Wolkendecke. Das ist die Gelegenheit. Auf geht es zum Gemüseacker in Berlin-Rudow. Zweimal  bin ich dort schon vom Regen überrascht worden und triefend nass nach Hause gekommen.



Dem Gemüse scheint der Regen zu gefallen, es wächst üppig und schon seit ein paar Wochen ist die Ernte so vielfältig, dass ich nichts mehr dazukaufen muss – bis auf Kartoffeln, die noch etwas brauchen.

Auf dem Speiseplan stehen im Moment Radieschen, Salat, Rucola, Neuseeländer Spinat, Kohlrabi (leider schon alle geerntet), Mangold, Bohnen, Lauch, Mairübchen, Rote Bete, Zucchini, und die Blätter des Palmkohls, der wie Wirsingkohl zubereitet wird.
Zu Beginn der Saison hatten sich Läuse zu einer Großversammlung auf meinem Beet verabredet. Fast an allen Pflanzen hingen an den Stielen und Blättern schwarze kleine Läuse. Gleichzeitig fühlten sich aber auch unendlich viele Marienkäfer und  Marienkäferlarven auf meinem Beet sehr wohl und erledigten das Läuseproblem. Bis auf meine dicken Bohnen, haben alle Pflanzen die Läuseinvasion gut überstanden.

2006-07-16 larve2

Seit ein paar Wochen werden wir in unserem wöchentlichen Newsletter von meine-ernte.de darauf hingewiesen, dass auf unseren Kartoffelpflanzen der Kartoffelkäfer gesichtet wurde. Dieser müsse unbedingt abgesammelt und entsorgt werden. 






Kartoffelkäfer können innerhalb kurzer Zeit ganze Felder kahl fressen und auch andere Nachtschattengewächse wie Aubergine und Tomaten gehören zu seiner Leibspeise. Bis zu 1200 Eiern legt ein Kartoffelkäferweibchen. Die Eier kleben in Paketen von 20 bis 80 gelben Eiern an der Blattunterseite. Nach drei bis zwölf Tagen schlüpfen die Larven und machen sich gefräßig über die Pflanzen her. Nun habe ich immer wieder bei meinen Kartoffeln nachgeschaut, aber nichts entdecken können. Letzte Woche habe ich dann die Larven auch auf meinen Kartoffeln entdeckt. Zwar keinen Käfer und auch keine Eier, aber immerhin fast zehn Kartoffelkäferlarven. Mal sehen, ob es beim nächsten Mal mehr geworden. Ich hoffe nicht!!
Auf meinem Fenchel habe ich eine wunderschöne Raupe entdeckt. Jede Woche habe ich dort nachgeschaut und ein Exemplar dort vorgefunden. Ob es dieselbe oder eine andere war, weiß ich leider nicht. Diese Raupe war so wunderschön, dass ich ihr meinen Fenchel gegönnt habe, der rückblickend auch nicht sehr darunter gelitten hat. Aus der Raupe entwickelt sich übrigens der Schwalbenschwanz, ein hübscher Schmetterling.
Zum Schluss noch etwas unerfreuliches. Letzte Woche habe ich an den Zucchiniblättern den ersten Mehltau entdeckt. Wie im letzten Jahr versuche ich jetzt noch etwas zuretten, indem ich die befallenen Stellen mit einem Gemisch von Milch und Wasser, Verhältnis 1:9, besprühe.

Weitere Tipps gegen Mehltau gibt es hier.


Dienstag, 17. Juli 2012

Handel mit nicht zugelassenem Saatgut - Europäischer Gerichtshof urteilt

                       „Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt.“
                         (ehemaliger US-Außenminister Henry Kissinger.)

"Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt", das wissen auch die großen Agrarkonzerne, wie Monsanto, Syngeta und Bayer, die inzwischen 67% -80% des weltweiten Saatgutmarktes beherrschen und sich nun auch die geistigen Eigentumsrechte an allen Kulturpflanzen sichern wollen – auch auf nicht genetisch manipulierte Pflanzen.

So wurde mit Spannung ein Urteil des Europäischen Gerichtsfofes erwartet, welches letzte Woche verkündete wurde und sich mit dem Saatguthandel alter nicht zugelassener Sorten befasste.

Hintergrund
Laut EU-Recht dürfen unzertifizierte Sorten nicht in den Handel, sondern müssen in mindestens einem EU-Staat zugelassen sein. Die Zulassung ist aber aufwendig und teuer ist und so können sich dies meist nur große Unternehmen leisten. Seltene und regionale Sorten verschwinden daher immer mehr vom Markt. In Frankreich handelt Kokopelli, ein nicht kommerzieller Verein, mit Saatgut von mehr als 461 nicht zugelassenen alten Gemüsesorten, die er erhalten will. Das passte dem industriellen Saatgut-Hersteller Graines Baumaux nicht und er verklagte Kokopelli wegen unlauteren Wettbewerbs auf Schadenersatz und forderte ein Vermarktungsverbot der Sorten, die nicht im amtlichen Saatgut-Katalog eingetragen sind.

das Urteil
Das Urteil des EuGH bestätigte das bestehende Saatgutrecht in der Europäischen Union.
Auf der anderen Seite wurde dem Anliegen der Firma Kokopelli durch die neuen Richtlinien der EU über die Zulassung von Erhaltungssorten landwirtschaftlicher Arten und Amateursorten von Gemüse Rechnung getragen. Hierzu stellt das Gericht fest:
 "Diese Richtlinien berücksichtigen nämlich die wirtschaftlichen Interessen der Verkäufer "alter Sorten", da sie deren Inverkehrbringen unter bestimmten Voraussetzungen erlauben."
 Gemeint ist die erleichtert Zulassung von Sorten für "besondere Zwecke" und für Sorten von regionaler Bedeutung. Auch Gemüsesorten, die von Hobbygärtnern nachgefragt werden, sogenannte Amateursorten, fallen unter diese Regelung.

Auswirkungen
Diese Entscheidung wurde sehr widersprüchlich aufgenommen. Die einen jubelten, Titelzeile Focus: EU-Gericht bricht die Macht der Saatgut-Weltkonzerne, die anderen sahen in diesem Urteil nur eine weitere Zementierung der Rechte großer Agrarunternehmen.

Hierzu eine Presseerklärung der Kampagne für Saatgut-Souveränität:
Der Europäische Gerichtshof hat mit seiner heutigen Entscheidung die Gültigkeit des EU-Saatgutrechts festgestellt. Damit hat es die grundlegende Kritik der Generalanwältin an der bestehenden Saatgutgesetzgebung verworfen. Demnach bleiben Vermarktungsverbote bestehen, die für Saatgut von Pflanzensorten gelten, die nicht in offizielle Sortenkataloge eingetragen sind. Eine Niederlage für die landwirtschaftliche Biodiversität und für alle, die sich für sie einsetzen und die selbstbestimmt Gartenbau und Landwirtschaft betreiben wollen. Erstaunlicherweise hat das Urteil aber bislang weitgehend positive Reaktionen hervorgerufen, die es mitunter gar als einen Schritt hin zu mehr Vielfalt feiern.

„Dieses Urteil ist ärgerlich und wirklichkeitsfremd”, so Andreas Riekeberg von der Kampagne für Saatgut-Souveränität. „Das Gericht hat lediglich eine Rechtfertigung für das bestehende Regelwerk der EU abgeliefert, ohne erkennbar auf die detaillierte Kritik von Generalanwältin Kokott an der dadurch vorangetriebenen Zerstörung der Vielfalt auf den Feldern und in den Gärten auseinander gesetzt zu haben. Ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich für die landwirtschaftliche Vielfalt einsetzen. Dies Urteil schreibt die Begünstigung der Saatgut-Industrie und ihrer industriellen Pflanzensorten fort. Sorten, die einen hohen Bedarf an Dünger und Pestiziden haben und sehr uniform sind.”

Jürgen Holzapfel, der auf dem Hof Ulenkrug in Mecklenburg-Vorpommern Getreide von alten Sorten anbaut und selber Saatgut gewinnt, schildert die gegenwärtige Lage: „Wenn ich hier Saatgut anbaue, dann müsste ich den Behörden melden, was ich wo in welchem Umfang anbaue. Und das nur für die eigene Verwendung. Wenn ich es in Verkehr bringen wollte, müsste ich eine Zulassung als Erhaltungssorte beantragen, dafür Gebühren zahlen und Mengenbeschränkungen beachten. Und mich mit anderen Saatguterzeugern abstimmen, damit wir nicht zusammen eine Höchstmenge überschreiten. Es stimmt einfach nicht, wenn das EuGH in seiner Presse-Erklärung behauptet, diese Zulassungsregelung würde das Ziel der Erhaltung der pflanzengenetischen Ressourcen gewährleisten.”

„Wir werden weiterhin für das Recht aller Gärtner/innen und Landwirt/innen streiten, selber zu bestimmen, welche Sorten sie anbauen dürfen”, beschreibt Anne Schweigler die Ziele der Kampagne für Saatgut-Souveränität. „Dafür werden wir auch künftig Saatgut-Tauschmärkte organisieren und regionale und internationale Vernetzung und Austausch fördern. Der Anbau von Lebensmitteln und die Ernährung müssen selbstbestimmt möglich sein und dürfen nicht der Kontrolle der Saatgut-Konzerne unterliegen. Letztlich müssen dem auch die EU-Regeln und die nationalstaatlichen Gesetzgebungen folgen.”

Die Saatgutkampagne kritisiert, dass die EU mit ihrer Erhaltungsrichtlinie die biologische Vielfalt nur in einem sehr kleinen Rahmen schützen will, gleichzeitig aber zu verhindern versucht, dass regionale bäuerliche Sorten etwa von Gemüse, Getreide und Ölsaaten einen Parallelmarkt zum Saatgutmarkt der Industrie bilden könnten. Diesem hat sich heute auch das EuGH angeschlossen, indem es das Bestreben des Unionsgesetzgebers rechtfertigt, „die Bildung eines Parallelmarkts für dieses Saatgut (gemeint ist Saatgut von Erhaltungssorten, A.R.) zu verhindern”. Ein etwaiger Parallelmarkt droht ja mitnichten, „den Binnenmarkt für Saatgut von Gemüsesorten zu behindern”, wie die Pressemitteilung des EuGH formuliert. Lediglich den Gewinnabsichten der marktbeherrschenden Saatgutkonzerne hätte er in die Quere kommen können.

Die Saatgutkampagne weiß sich mit der großen Mehrheit der Erhaltungsinitiativen in Europa einig, dass diese Erhaltungsrichtlinie eine erneute Behinderung der Erhaltung der biologischen Vielfalt darstellt und glücklicherweise in der Wirklichkeit nicht umsetzbar ist. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass sie in Einzelfällen gegen Bauern eingesetzt wird: nämlich dann, dann wenn deren Saatgutarbeit den Saatgut-Konzernen lästig wird.

Hintergrund:
Der Rechtsstreit in Frankreich zwischen der Sortenerhaltungs-Organisation Kokopelli und dem Saatgutkonzern Graines Beaumaux hatte die Frage nach der Gültigkeit des EU-Rechtes aufgeworfen, die dem EuGH vorgelegt worden war. Das Plädoyer von Generalanwältin Juliane Kokott vom 19.1.2012 hatte hoffen lassen, dass die vielfalts- und selbstbestimmungsfeindlichen EU-Richtlinien als ungültig verworfen werden könnten.

Saatgut darf in der EU grundsätzlich nur gehandelt werden, wenn es eine Zulassung hat. Was ursprünglich zur Sicherstellung eine Qualitätsniveaus gedacht war, hat sich über die Jahrzehnte als starke Einschränkung für die Sortenvielfalt erwiesen. Viele alte Sorten sind aus den Regalen der Geschäfte und von den Feldern der Bauern/Bäuerinnen und Gärtner/innen verschwunden, da sie nicht zugelassen wurden. Denn jede Zulassung kostet Geld und ist mit bürokratischen Hürden versehen.
In den letzten 30 Jahren hat eine enorme Konzentration auf dem Saatgut-Markt stattgefunden, wenige transnationale Konzerne beherrschen 65-80% des Saatgutmarktes, je nach Pflanzengruppe (Getreide, Gemüse, Rüben, Ölpflanzen) und Region. Das hat die Zerstörung der Sortenvielfalt weiter beschleunigt. Vor wenigen Jahren hat die EU endlich ein Erhaltungssorten-Recht eingeführt, mit drei Richtlinien von 2008-2010. Doch auch hier schränken Höchstmengen und Zulassungsverfahren die Tätigkeit der Landwirt/innen und Gärtner/innen erheblich ein. http://www.saatgutkampagne.org/

ARD-Tagesthemen: "EuGH zementiert die Macht der industriellen Saatgut-Hersteller"
Interview auf Radio Deyeckland Freiburg zum EuGH-Urteil, am 13.7.2012. Anhören
EuGH: Das Urteil im Volltext
Kokopelli - Saatgut
Kampagne für Saatgut-Souveränität
freie Saaten e.V.
Dachverband Kulturpflanzen, Nutztiere Vielfalt